Nöttingen vs. FKP 1:0 (1:0)

Es kommt so gut wie nie vor, dass bei unserer Klub mal alle einer Meinung sind. Am Samstag aber schon. Das Gastspiel in der badischen Provinz konnte jeder kurz und knapp mit sechs Buchstaben beschreiben: BETRUG.

Auch viele Stunden und sogar Tage nach dieser Begegnung macht das Erlebte immer noch fassungslos, wütend und traurig.
Es ließe sich wohl ein halbes Buch über die 90 Minuten verfassen, im Moment aber noch mit offenem Ende…

Die Ausgangslage vor der Partie war klar. Da Nöttingen am letzten Spieltag in Kassel einen Dreier einfahren konnte, betrug der Rückstand weiter drei Zähler. Mit einem Sieg hätte man dank besserem Torverhältnis am Gegner vorbeiziehen können, das einzige was nicht passieren durfte, war eine Niederlage. Nach vorne ginge dann wohl nichts mehr und das große Zittern begänne.

Die erste Überraschung erfolgte schon beim Einlauf der Mannschaften.
Hatte man den richtigen Sportplatz betreten? Spielte hier überhaupt unser FKP sein Regionalligamatch?
Die Antwort war natürlich ja, aber nicht selbstverständlich. Immerhin brachte man es hier und heute fertig, dass in der vierthöchsten Spielklasse in einem Pflichtspiel eine Elf in grünen Leibchen (!!!) antreten musste. Bei dieser ersten Wahrnehmungsschwäche des Gespanns in der Unterscheidung von lila-weißem und blauem Trikotsatz hätte man eigentlich schon stutzig werden müssen. Ebenso darüber, dass die Gastgeber wohl nicht zu einem Dresswechsel bereit waren.

Im diesmal gut gefüllten Gästeblock -leider wohl nur aus Mangel an Sitzplätzen- wurden die an diesem Tag Blau-Grünen dann zumindest in den ersten 30 Minuten, auch dank guter Akustik, ganz ordentlich nach vorne gepeitscht. Bedauerlicherweise kam davon auf dem fünfzig cm entfernten Rasen aber nicht so viel an.

Besonders die Defensive zeigte sich äußerst unsortiert und unsicher und der FCN kam zu einigen Chancen. So dauerte es nach einer guten halben Stunde einmal eine halbe Ewigkeit bis das Leder im Strafraum aus einer Spielertraube heraus geklärt werden konnte. Dabei berührte Schug den Ball wohl unabsichtlich mit der Hand, was der direkt daneben stehende Schiedsrichter aber nicht für elferwürdig erachtete.
Anders sein Assistent, der seinen heutigen größten Einsatz in der Beeinflussung eines Spiels somit einleitete.
Und so gab es nach einigen Diskussionen dann den Strafstoß, den Nöttingen verwandelte. Mit dem 0:1-Rückstand ging es in die Pause.

Nach Wiederanpfiff spielte unsere Mannschaft deutlich besser, kam zu etlichen Möglichkeiten und drückte auf den Ausgleich. Entweder fehlte im eigenen Abschluss jedoch das nötige Glück oder der zwölfte und dreizehnte Spieler der Hausherren verhinderte ein Tor erfolgreich mit aller Macht.
So zeigte der Mann an der Pfeife nach klarem Foulspiel an Sommer zwar auf den Punkt, unser Freund an der Fahne verspürte aber just in diesem Moment wieder eine Muskelzuckung im Arm. Ohne Frage, dass der Elfer verwehrt bleiben sollte.

Mächtig Unruhe, sowohl auf dem Feld und der Bank, als auch im Block waren die Folge. Offenbar ein weiterer Ansporn für die FCN-Schiri-Connection.
Die Lila-Weißen intensivierten im Anschluss noch einmal ihr schauspielerisches Können und sonnten sich so oft es ging auf dem Grün.
Das Team Yellow entschied fortan nur noch gegen unsere Elf. Ganz egal ob Handspiel oder Foul des Gegners; unter anderem wurde ein weiterer glasklarer Elfer verweigert.

Dann der Pfiff. Aus. Vorbei. Das was unbedingt zu vermeiden war, unter den beschriebenen Umständen aber auch nicht möglich war, war geschehen. Der Anschluss an Rang 14 ist mit sechs Zählern Rückstand bei noch fünf ausstehenden Partien dahin. Der jetzige Tabellenplatz muss also abgesichert werden und das bereits mit voller Kraft am Samstag gegen den Drittletzten Koblenz.
Gelingt dies, darf noch gezittert werden, auch wenn die Chancen auf den Klassenerhalt realistisch betrachtet nicht mehr all zu hoch sind. Das Absetzten der blau-weißen Brille könnte nun negative Spätfolgen erträglicher machen.

Neben den vier fixen Aufsteigern aus der Oberliga, kämpft Mainz II in der dritten Liga mit zwei anderen Klubs um einen Nichtabstiegsplatz. Und unter den möglichen beiden Relegationsteilnehmern aus Südwest kann im Moment auch nur Offenbach überzeugen, während Saarbrücken und Elversberg zuletzt mächtig schwächelten. Noch dazu treten die zwei Südwestvertreter schlussendlich gegen die Vereine aus Bayern bzw. Nordost an, die beispielsweise mit Würzburg, Magdeburg und Zwickau sehr schwere Gegner sein könnten.

Sicher entscheidet nicht ein Spiel über den Ligaverbleib (eher die siebzehn Spiele ohne Stürmer im alten Jahr), aber in einer Situation, in der es um so viel geht und alles möglich ist, auf diese Weise zu verlieren, ist letztendlich unbeschreiblich. Auch wenn die Hoffnung gering ist, wären Konsequenzen sowohl für das Schiedsrichtergespann, als auch den FC Nöttingen mehr als angebracht.
Ändern würden sie aber nichts mehr daran und leben müssen nun andere damit.